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Einfluß der Kormorane auf Fischbestände in Baden-Württemberg

Geschrieben von Administrator.

akormoranIn Baden-Württemberg (B.-W.) treten Kormorane in erster Linie als Überwinterer auf.
Historische Vorkommen sind in der Literatur belegt: „Ein Scharff ist bey uns (Straßburg, d. Red.) unbekannt, und gibt deren nicht viel. (...) Im Jahr 1649 ... hab ich diesen Scharff geschossen (Baldner, 1666)".
Die Anzahl der Kormorane stieg in B.-W. parallel zur Entwicklung in Mitteleuropa. Während zu Beginn der 70er Jahre der Gesamtbestand in B.-W. jährlich etwa 100 bis 120 überwinternde Kormorane umfaßte, erhöhte sich die Anzahl auf knapp 7000 Tiere (im Winter 1996/97).  

Einflüsse des Kormoranfraßes ließen sich besonders deutlich an Fließgewässerabschnitten nachweisen, die über längere Zeit von einer hohen Anzahl Kormoranen zum Nahrungserwerb aufgesucht wurden.

Dabei zeigten sich oft bereits nach erstmaligem Kormoraneinflug Bestandsveränderungen, die insbesondere in einer verschobenen Längen-Häufigkeits-Verteilung einzelner Fischarten erkennbar wurden.

Erfolgten Kormoraneinflüge bereits seit mehreren Wintern, waren in der Regel ein verringertes Arteninventar und deutlich erniedrigte Häufigkeiten feststellbar. Solcherart betroffene Fischbestände stagnieren mittlerweile auf niedrigem Niveau. Es gibt keine begründeten Hinweise auf andere Ursachen dieser Bestandsbeeinträchtigungen.

In nicht von Kormoranen besuchten vergleichbaren Gewässern konnten keine derartigen Beeinträchtigungen festgestellt werden.

Bei langanhaltende Frostperioden im Winter sind die meisten Stehgewässer  längere Zeit zugefroren und der Befischungsdruck auf Fließgewässer steigt stark an.
Bei der Jagd der Kormorane auf Fische zur Ernährung werden auch viele Fische verletzt und verenden:

 

Untersuchungen der Mageninhalte von erlegten Kormoranen zeigten, daß alle in dem jeweils betroffenen Gewässer vorkommenden Fischarten und in beträchtlichem Umfang auch kleine Fische von Kormoranen erbeutet werden. Diese Beobachtungen decken sich mit der Feststellung, daß in betroffenen Gewässerabschnitten die Bestände aller Fischarten reduziert werden.
In einigen der untersuchten Gewässerabschnitte war der Fischbestand fast vollständig ausgelöscht. Betroffen hiervon waren unter anderem auch Bestände mit Restpopulationen stark gefährdeter und vom Ausssterben bedrohter Arten.

 

Die Untersuchungen verdeutlichen, daß von Kormoranen eine starke bis sehr starke Beeinträchtigung der Fischbestände ausgehen kann. Davon sind nicht nur naturferne, ausgebaute Gewässerstrecken betroffen, sondern in gleicher Weise auch naturnahe Fließgewässer. Die Untersuchungen bestätigen vorliegende Darstellungen, wonach Kormorane nicht auf bestimmte Beute-Fischarten spezialisiert sind, sondern das im Gewässer vorhandene Spektrum an Fischen nutzen.